EINSICHT – LEBEN MIT
SEHBEHINDERUNG
UND BLINDHEIT

Bachelorarbeit 2010:
Buch (Text + Fotografie + Layout)
mit Plakatserie

Mit keinem anderen Sinnesorgan können wir annähernd so viel Information in so kurzer Zeit aufnehmen, wie mit unseren Augen. Im alltäglichen Leben sind wir uns oft gar nicht bewusst, wie sehr wir auf diesen Sinn angewiesen sind. Wir erachten es als selbstverständlich jederzeit einwandfrei zu „funktionieren“ und können unsere Gesundheit nur selten schätzen.

Vor allem im Bereich Gestaltung sind unsere Augen unser wichtigstes Werkzeug. Über sie gelangen sämtliche Informationen wie Farben, Formen, Relationen, Entfernungen usw. ins Gehirn und werden dort verarbeitet und beurteilt. Gerade aus diesem Grund empfand ich es als spannende Herausforderung dieses Thema, das einen so großen Kontrast zum Studiengang Kommunikationsdesign darstellt, zu bearbeiten.

Dabei interessierten mich besonders die Fragen über die Wahrnehmung Betroffener:

. Wie nimmt ein Blinder seine Umwelt wahr?
. Wie beschreibt er sie?
. Was bedeuten Farben für Geburtsblinde?
. Was wird als „schön“ empfunden?
. Wie träumt ein Mensch, der nie gesehen hat?

Und nicht zuletzt die Frage, welche Gestaltung einer Welt, die ohne Bilder auskommt, gerecht werden kann.

Mein persönliches Ziel war es nicht neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu liefern, sondern vielmehr ein Projekt auszuarbeiten, das durch viele kurze Informationen zu verschiedenen Themen und durch persönliche Erzählungen Einblicke in diese etwas andere Lebensform zulässt, Hemmungen und Vorurteile gegenüber behinderten Menschen abbaut und letztendlich vielleicht auch zum eigenen Reflektieren anregt.

Layout:
Das Layout ist insgesamt ruhig und klar gestaltet. Da es sich bei meinem Buch um ein sehr sensibles und persönliches Thema handelt, war es mir wichtig, dass die Gestaltung in erster Linie den textlichen Inhalt unterstützt und sich nicht in der Vordergrund drängt.

Während meiner Recherche bin ich immer wieder auf die geometrische Form des Kreises gestoßen: Unser Auge (Iris und Pupille), die Punktschrift, das Blindensymbol auf Armbinden, Noppen auf der Straße, die als Markierung dienen usw.

Diese Systematik habe ich mir für meine Bildsprache zu Nutze gemacht. Meine visuelle Umsetzung besteht größtenteils aus Rastern von schwarzen und weißen Kreisen oder aus Gittern, also der negativen Forma davon. Hinter diesen verschiedenen großen Gittern und Rastern befinden sich Fotografien in schwarz/weiß, die durch die darüberliegende Ebene nicht vollständig sichtbar sind. So entsteht eine Zwischenebene aus Sehen und Nicht-Sehen, die nicht versucht Blindheit zu imitieren.

Die Fotografien selbst sind teilweise abstrakt. Sie visualisieren den jeweiligen Inhalt nur indirekt, vielmehr begleiten bzw. unterstreichen sie ihn. So entsteht Raum für eigene Interpretationen.

Der Versuch Blindheit für einen Sehnenden nachempfindbar zu machen, ist nicht möglich und wäre auch nicht richtig. Denn um einen Einblick in dieses Leben zu bekommen, gehört viel mehr dazu als nur für einen Moment wenig oder nichts zu sehen.

Der zweite Teil des Buches besteht aus kräftig roten Seiten mit weißer Typografie. Die Farbe steht sinnbildlich für die Lebendigkeit der persönlichen Geschichten.

Die Rückseite der Plakate wurden ebenfalls mit einer Farbe in neonorange beschichtet und mit Abstandhaltern an der Wand befestigt. Dieses knallige Neon-Orange reflektiert an der weißen Wand und es entsteht ein leichter farbiger Schein nach außen, der die Lebendigkeit der Thematik widerspiegelt und optisch den Bogen zum Buch spannt.